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Vom Loslassen- wenn Kindern plötzlich Flügel wachsen

Kennt ihr den Spruch mit den Wurzeln und den Flügeln? Den bekam ich damals bei der Geburt meiner Tochter in bestimmt jeder zweiten Glückwunschkarte zu lesen, und dachte mir, dass das mit den Flügeln bestimmt ewig dauern würde…

Denkste.

Mittlerweile sind ziemlich genau 8 Jahre vergangen und ich frage mich jeden Tag wieder, wo die Zeit nur geblieben ist. Gerade eben hatte ich doch noch dieses winzige Menschlein in den Armen, wiegte es hin und her und war mir sicher, dass die Zeit und die Welt stehengeblieben war.

Ihr Geruch und dieses Gefühl unbeschreiblicher Glückseligkeit, mein Hormonhaushalt, der sein Bestes tat und mir bei jedem Anblick von ihr die Freudentränen in die Augen trieb, ich kann mich daran erinnern als wäre es gestern gewesen.

Wenn ich mich jetzt umdrehe, dann ist von dem Baby von damals nicht mehr viel übrig. Aus diesem kleinen hilflosen Wesen ist ein aufgewecktes, schlaues und durchsetzungsstarkes Mädchen geworden, das schon sehr genau weiß was es will.

Dabei habe ich mich doch nur kurz umgedreht. Gefühlt zumindest.

Und jetzt steht sie neben mir und sagt mir ganz genau, dass sie dieses eine T-Shirt bestimmt nicht mehr anzieht, das ist nämlich was für Babys und wenn sie 8 Jahre alt ist, darf ich sie nicht mehr süß nennen, dann ist sie nur noch cool. Alles klar, Mama hat verstanden.

Und überhaupt: Während gefühlt gestern neben mir ein kleines Mädchen im Hochstuhl saß und mir frech grinsend den Brei ins Gesicht schmierte, sitzt da jetzt eine junge Dame, die sich und ihre Meinung durchsetzen will, sich auch gerne abgrenzt und für sich sein will. Die diskutiert, hinterfragt und nicht mehr nur abnickt, wenn man sagt, das sei so.

Ich bin immer wieder überrascht, wie selbstständig sie schon ist, wie sehr sie schon ihren eigenen Weg geht. Und ich bin so stolz.

Obwohl es doch noch etwas komisch ist, wenn sie die Nachmittage bei Freunden verbringt und wir uns erst am Abendbrottisch wiedersehen. Wenn ich so richtig zu spüren bekomme, dass die Sache mit den Flügeln immer mehr Platz einnimmt. Ich bin dann stolz auf der einen Seite, aber auch etwas wehmütig.

Beim Babyspielkreis hat sie damals noch alle Babys weggeschupst, die mir zu nah kamen, heute ertappe ich mich dabei, wie ich gedanklich auch mal gerne schupse. Denn manchmal geht mir das einfach zu schnell. Die Zeit rast.

Also versuche ich diese schönen Momente in mich aufzusaugen, sie festzuhalten. Ihre Kindheit zu genießen und jeden Schritt den sie macht als Kompliment zu sehen. Ein Kompliment an uns als Eltern, an mich als ihr Mama, dass das mit den Wurzeln bis jetzt ganz gut geklappt hat und die sie ihre Flügel nun immer öfter ausbreiten kann.

Denn auch wenn sie viel fliegt , findet sie den Weg immer wieder nach Hause. My home is my castle  und da draußen ist das große Spielfeld, auf dem es gilt Erfahrungen zu sammeln. Manchmal auch die nicht so schönen.

Und wenn dann vielleicht einer dieser Tage kommt, an denen sich ihre Flügel doch nicht mehr so gut anfühlen, an denen sie vielleicht enttäuscht wurde und Trost sucht, dann drücke ich sie an mich, trockne ihre Tränen und richte ihre Flügel, um sie danach wieder gehen zu lassen.

Ich glaube so läuft die Sache mit den Wurzeln und den Flügeln, oder?

Erzählt doch mal!

Alles Liebe

Eure Anita

 

 

 

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Comments
2 Comments

2 comments

  1. Katrin

    10. Juni 2017 at 12:55

    Das sind so wahre Worte Anita.Und jeden Tag Frage ich mich wo die Zeit geblieben ist.Mein großer wird im Dezember schon 10 Jahre kommt in die 5te Klasse und meine kleine wird nun nächsten Monat 6 Jahre und kommt in die Schule.Hilfe es ist so komisch wie sie flügge werden und nun weiß ich was meine Mama damals meinte, das verstehst du wenn du selber mal Kinder hast.
    Es ist schön zu sehen wie sie ihren eigenen Weg gehen. Und beide sind so unterschiedlich vom Wesen dass jeder anders mit dem Älter werden umgeht. Auf der einen Seite genießen wir es ein wenig mehr Freiheit zu haben, aber auf der anderen Seite ist da etwas Wehmut. Sie lagen doch gerade noch in unserem Arm so klein und hilflos.

    1. Anita

      14. Juni 2017 at 20:40

      Wohl war. Aber das ist wohl der Lauf der Dinge. LG

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